Kategorien
Queer Rassismus Trans*

Trans* sein

Zur Trans* Awareness Week, der Woche für Trans*sichtbarkeit, klären wir unter anderem die Fragen: Was bedeutet trans*? Was kann ich tun, um Trans*personen zu unterstützen?

Triggerwarnung: Trans*feindlichkeit, Vorurteile gegenüber Trans*personen, Gewalt gegen Trans* und Inter*. Wenn du von diesen Themen betroffen bist, ließ diesen Beitrag gemeinsam mit Freund*innen oder gar nicht.

In der Woche vom 14. bis 21. November ist in diesem Jahr die Transgender Awareness Week. Die Woche wird immer rund um den 20. November begangen, den Transgender Day of Rememberance, also den „Trans* Tag der Erinnerung“. An diesem Tag wird allen Menschen gedacht, die trans* oder genderdivers waren und deswegen ermordet wurden. Der Tag wurde 1999, ein Jahr nach der Ermordung der Schwarzen Trans*frau Rita Hester in den USA ins Leben gerufen wurde.

Trans*personen, ganz besonders Trans*frauen of Color, erleben überall auf der Welt sehr viel Hass und Gewalt und sind die Personengruppe, die am häufigsten ermordet wird.

Und das obwohl die Pride- (deutsch Stolz) Bewegung, also der Kampf der LGBTQIA*-Community ohne Trans*personen of Color wie Marsha P. Johnson und Silvia Rivera heute nicht so weit wäre, wie er ist: Queere BiPoC, vor allem Trans*menschen, waren es, die die Straßenkämpfe in der Christopher Street in New York City begannen, um sich gegen diskriminierende Polizeigewalt zu wehren. Diese Taten, die eine weltweite Bewegung entstehen ließen, feiern wir international in vielen, vielen Städten und Ländern am „Christopher Street Day“ (CSD) mit Pride-Paraden (also „Stolz“ auf die Andersartigkeit) und Feierlichkeiten für LGBTQIA*.

Zur Transgender Awareness Week möchten wir von der Kommission Vielfalt und Liebe euch daher ein paar Dinge rund ums Thema Trans* bieten. Wenn du dich schon mehr mit dem Thema beschäftigt hast, kannst du die gleich folgenden „Basics“ vielleicht überspringen, weil das nichts Neues für dich ist. Wir wollen nur, dass wir auch alle wissen, worüber wir da sprechen. „Awareness“ kann auf Deutsch schlecht übersetzt werden, aber es bedeutet, eine bestimmte Sache sichtbar und bekannt zu machen, sodass die Menschen sie mitdenken und genau dazu wollen wir beitragen. Daher gibt es weiter unten noch „Vorurteile“ und „das kannst du tun„.

Basics

Was ist eigentlich „trans*“?

Spätestens bei der Geburt werden Babys in 3 Kategorien eingeteilt: Die mit einem Genital, das Ärzt*innen als Penis definieren, werden „Jungen“ genannt und bekommen einen männlichen Geschlechtseintrag in ihrer Geburtsurkunde und später auch in ihrem Pass. Die mit einem Genital, das Ärzt*innen als Vulva definieren, werden „Mädchen“ genannt und bekommen einen weiblichen Geschlechtseintrag. Kinder, deren Genitalien nicht in diese Kategorien passen, werden „intersex“ genannt und bekommen den Geschlechtseintrag divers oder gar keinen – zumindest seit 2017 in Deutschland. In vielen Ländern werden alle Kinder nur in die ersten beiden Kategorien eingeteilt und intersex Kinder oftmals sogar verstümmelt (also ohne Notwendigkeit operiert), damit ihre Genitalien so aussehen, wie Ärzt*innen das „normal“ finden.

Geschlecht ist aber nicht so einfach. Geschlecht ist nicht das, was ein Mensch zwischen den Beinen hat, sondern eher „zwischen den Ohren“: Im Gehirn. Vielleicht auch im Herzen oder in der Seele. Und so kommt es, dass viele Kinder und Erwachsene sich nicht mit dem Label identifizieren, dass irgendwelche Ärzt*innen ihnen in den ersten Sekunden ihres Lebens gegeben haben.
Diese Menschen sind trans*.
Wer sich mit dem Label identifiziert, dass ihm*ihr bei der Geburt gegeben wurde, ist cis (oder auch cisgeschlechtlich). Das ist weder ein Schimpfwort, noch irgendwie falsch, sondern nur das Gegenteil zu trans*.

Trans* mit * schreiben wir, um unterschiedliche Begriffe mitzumeinen. Ihr kennt das sicherlich schon von geschlechtergerechter Sprache, aus der Informatik oder der Suche im Bibliothekskatalog: Das * steht für eine „beliebige Anzahl an Zeichen“. In diesem Fall soll es die Worte transgender, transident, transgeschlechtlich und transsexuell zusammen fassen und sogar noch darüber hinaus gehen.
Der Grund ist, dass alle diese Worte Probleme mit sich bringen:
Am meisten kritisiert wird das Wort „transsexuell“, weil es für viele Menschen so klingt, als hätte es mit Sex zu tun. Dabei hat Trans*sein überhaupt nichts mit Sexualität zu tun, Trans*personen können heterosexuell, lesbisch, schwul, bi- und pansexuell oder asexuell sein, genau wie Cis-Menschen auch.
Im Englischen gibt es die Unterscheidung zwischen „sex“ und „gender“, zwischen „biologischem“ Geschlecht und „sozialem“ Geschlecht“ und daher kommt auch der Begriff „transgender“. Er wird von einigen Menschen abgelehnt, weil es diese „2 Arten von Geschlecht“ so sehr in den Vordergrund stellt und damit die Gefahr besteht, dass Menschen immer nach dem „biologischen“ Geschlecht gefragt oder darauf reduziert werden und ihr Trans*sein einfach ignoriert wird.
Einige Menschen nutzen daher „transident“, weil sie finden, dass es ihre Identität ist, trans* zu sein. Wieder andere finden das schade, weil es sie darauf reduziert, dabei sind auch Trans*Menschen eben z. B. schwul, weiß, behindert, IT-Experte und Vater oder asexuell, of Color, nicht-behindert, Fußballfan und Landwirtin und wollen, dass ihre Identität nicht nur auf eine Eigenschaft reduziert wird.
Jede Trans*Person entscheidet für sich, welches Label für ihn*sie richtig ist und daher kannst du als „Oberbegriff“ trans* mit Sternchen nutzen.

Begriffe

Ein Trans*mann oder Trans*junge ist ein Mann oder ein Junge, der bei seiner Geburt versehentlich für ein Mädchen gehalten wurde. Er war nicht „früher eine Frau“, sondern schon immer ein Mann, bzw. Junge, nur wussten das eben nicht immer alle.

Eine Trans*frau oder ein Trans*mädchen ist eine Person, die bei ihrer Geburt versehentlich für einen Jungen gehalten wurde.

Manche Trans*personen passen überhaupt nicht in die Kategorien „Mann“ und „Frau“. Sie sind beispielsweise nicht-binär oder non-binary, agender, genderqueer oder genderfluid.
Genau wie bei transident, transsexuell und transgender gibt es auch hier viele verschiedene Begriffe, weil Menschen ihr Geschlecht unterschiedlich erleben und andere Schwerpunkte setzen. Eine Agender-Person findet also vielleicht, dass sie einfach kein Geschlecht hat, statt eines dritten, wie es einige nicht-binäre Menschen beschreiben würden. Genderqueere Personen lehnen es vielleicht ab, sich überhaupt festzulegen, wie ihr Geschlecht ist und genderfluide Menschen erleben ihr Geschlecht manchmal einige Jahre lang als eher weiblich, dann wieder eher männlich oder an einigen Tagen als nicht-binär und an anderen als männlich. Das kann aber für jede Person auch ganz anders sein, ein Mensch muss einfach ein Label finden, mit dem er sich wohl fühlt, genau wie bei sexueller Orientierung auch (da gibt es ja auch z. B. bisexuell, pansexuell, omnisexuell und polysexuell um zu beschreiben, dass mensch nicht nur auf 1 Geschlecht „steht“). Ich nutze nicht-binär als Oberbegriff für alle, die weder Mann* noch Frau* sind.

Bitte benutze, auch wenn du von der Vergangenheit sprichst, den richtigen Namen und das richtige Pronomen einer Trans*person!

Der Prozess, sein Geschlecht zu finden und darin zu leben, wird als Transition bezeichnet. Dazu gehören für einige – aber nicht für alle – Menschen geschlechtsangleichende Operationen. Bitte sprich nicht von „Umwandlung“ oder „Geschlechtswechsel“, denn das Geschlecht der Person hat sich nicht geändert: Es wurde nur von anderen Menschen nicht richtig gesehen.

Wenn du darüber sprechen möchtest, dass manche Menschen in einer anderen sozialen Rolle aufgewachsen sind, als der, in der sie heute leben, kannst du z. B. die Begriffe weiblich* sozialisiert bzw. männlich* sozialisiert benutzen. Weiblich* sozialisiert sind alle Menschen, die in ihrer Kindheit für Mädchen* gehalten wurden, also beispielsweise nicht-binäre Personen und Trans*jungen oder Trans*männer, die erst im Teenager- oder Erwachsenenalter ihr Trans* Coming Out hatten. Oder du kannst bei der Geburt weiblich* zugeordnet sagen, um Menschen zu beschreiben, die eben bei der Geburt für Mädchen* gehalten wurden (aber z. B. schon im Kindergarten ihr Trans* Coming Out hatten, sodass „weiblich sozialisiert“ nicht zutrifft, weil sie schon ab 3 Jahren als Junge/ Agender/ etc. gelebt haben) – und andersrum natürlich bei der Geburt männlich* zugeordnet.

Vorurteile

Oft behaupten Menschen, die sich nicht so gut mit dem Thema geschlechtliche Vielfalt auskennen, Trans*sein sei „ein Trend“ oder „so etwas hätte es früher nicht gegeben“. Das stimmt nicht.
Natürlich gibt es immer mehr geoutete Trans*Personen. Das liegt aber vielmehr daran, dass wir heute Worte haben, um das Gefühl zu beschreiben, das Trans*personen haben: Dass das Label, mit dem eine Person bezeichnet wird, nicht stimmt.
Und es gibt zum Glück immer weniger Diskriminierung (auch wenn es weiterhin viel Diskriminierung gibt). Trans*menschen können heute Unterstützung bekommen und können ihren Geschlechtseintrag ändern lassen. Durch mehr Aufklärung erkennen immer mehr Menschen, dass sie trans* sind.
In vielen anderen Kulturen, beispielsweise in Indien oder bei den indigenen Völkern auf den beiden amerikanischen Kontinenten gab und gibt es schon immer mehr als 2 Kategorien für Geschlecht, beispielsweise die „Two Spirit People“, die zwischen den Kategorien „Mann“ und „Frau“ stehen. In der US-amerikanischen und europäischen Geschichte gab es auch viele Trans*personen, aber genau wie Frauen* und BiPoC wurden sie in der Geschichtsschreibung oft einfach ignoriert. Die nicht-binäre Person Leslie Feinberg aus Großbritannien hat dazu ein ganzes Buch geschrieben. In „Transgender Warrior“ geht they auf die Suche nach Trans*Personen in der Geschichte und in verschiedenen Kulturen und wird reichlich fündig.

Viele Trans*personen berichten davon, als sie das erste Mal erfahren haben, dass es Trans*sein gibt und was es bedeutet: Da hat es quasi „klick“ gemacht in ihrem Kopf und sie verstanden haben, was mit ihnen los ist. Diese Menschen haben sich oft jahrelang „irgendwie anders“ gefühlt und dann plötzlich etwas gefunden, das dieses Gefühl erklärt.
Unsere Gesellschaft ist aber nicht besonders „nett“ zu Trans*personen und wir wachsen alle in dem Glauben auf, dass Trans*sein „nicht normal“ wäre. Deswegen fällt es vielen Menschen schwer, diese Tatsachen über sich zu entdecken oder zu akzeptieren. Einige brauchen viele Jahre, um vom ersten Gedanken „bin ich vielleicht trans*?“ zu einem Outing zu kommen. Das Outing dauert auch meist viele Jahre, da sich Menschen gut überlegen müssen, wem sie das wann erzählen und sich z. B. erst in der Familie und im Freundeskreis outen und erst viel später in der Arbeit. Das ist verständlich und richtig, denn immer noch erleben Trans*menschen viel Unverständnis und Ablehnung als Reaktion auf ihr Outing.

Einige Trans*personen leiden unter sogenannter „Genderdysphoria“, was bedeutet, dass sie ihren Körper als falsch empfinden und ablehnen, weil er mit einem Geschlecht assoziiert wird, das nicht ihres ist. Darunter leiden sie sehr. Daher entscheiden sie sich für eine oder mehrere geschlechtsangleichende Operationen und lassen sich beispielsweise ihre Brüste entfernen oder operieren, einen Neopenis oder eine Neovulva und Neovagina erstellen, damit ihr Körper zu ihrer Identität passt.
Das gilt aber nicht für alle. Auch Trans*personen, die keine Operation wollen, ihren Personenstand nicht ändern und/ oder sich nicht so kleiden, wie die Gesellschaft es von einem bestimmten Geschlecht erwartet, sind „richtige“ Trans*personen. Jede Person entscheidet selbst, welche Kleidung sie trägt und wie sie ihren Körper verändern möchte – genau wie Cis-Personen auch!
Sogar, wenn du dich niemals vor irgendjemandem als trans* outest und dein Leben so lebst, wie es bei deiner Geburt von allen erwartet wurde, ist deine Identität valide und richtig. Identität und Transition sind sehr individuell und persönlich und nur du weißt, was richtig für dich ist.

Das kannst du tun

  1. Versuche, in deinem Alltag daran zu denken, dass es Trans*menschen gibt und dass sie vor vielen Herausforderungen stehen, die Cis-Menschen nicht haben.
  2. Informiere dich z. B. auf YouTube, Instagram oder Tiktok über die Lebensrealität von Trans*menschen und teile dein Wissen und deine Quellen mit anderen Cis-Menschen. Lies Bücher und Blogbeiträge zu diesem Thema und höre Trans*menschen zu.
  3. Wenn du eine Person kennen lernst, frag sie, welche Pronomen sie verwendet. Ob jemensch trans* ist, kannst du nämlich nicht sehen! Kleidung und Frisuren haben kein Geschlecht, nur Menschen haben ein Geschlecht!
  4. Versuche, die Pronomen, Anreden und Beschreibungen (Mann/ Frau/ Person/ etc.) richtig zu verwenden, auch wenn es Neopronomen sind und dir das zu Anfang schwer fällt. (Hierzu haben wir auch einen Instagram Post gemacht, den du unter @vielfalt.liebe z. B. in den Highlights findest).
    Wenn du es versehentlich falsch machst, korrigiere dich. [Am besten, ohne dich groß zu entschuldigen, denn sonst hat die Trans*person vielleicht das Gefühl, dafür sorgen zu müssen, dass du dich nicht schlecht fühlst.]
  5. Korrigiere andere Personen, wenn sie versehentlich ein falsches Pronomen für eine Person verwenden.
  6. Wenn du Veranstaltungen und Angebote machst, frag bei der Anmeldung nicht nach dem Geschlecht oder gib Auswahlmöglichkeiten wie „divers“ und „nicht-binär“ neben „männlich“ und „weiblich“ an. Erkläre wenn möglich Toiletten zu geschlechtsneutralen Orten. Wenn es um Übernachtung geht, lass alle Teilnehmer*innen selbst entscheiden, mit wem sie ihr Zimmer/ Zelt teilen wollen. Falls das nicht geht, schreib auf die Anmeldung, dass für Trans*personen, besonders für nicht-binäre, gemeinsam Lösungen gesucht werden. [Trans*mädchen schlafen selbstverständlich mit Cis-Mädchen* zusammen und Trans*jungen mit Cis-Jungen*, außer sie wünschen es sich anders. Falls sie es sich anders wünschen, ermögliche auch das.]
  7. Sorge in Vorstellungsrunden und auf Namensschildern dafür, dass nicht nur der Name, sondern auch das Pronomen aller Beteiligten benannt wird. Stelle dich selbst mit deinen Pronomen vor.
  8. Frage eine Trans*person niemals danach, wie er*sie „früher geheißen hat“. Dieser Name wird oft „Deadname“, also „toter Name“ genannt und soll im Leben der Person nach dem Outing absolut keine Rolle mehr spielen. Oft wird er nämlich leider dazu verwendet, die Person zu verletzen, sodass es wirklich sicherer ist, wenn ihn niemand mehr weiß. Wenn du den Deadname einer Person kennst, behalte ihn für dich.
  9. Oute keine Person ungefragt als trans*! Gerade Trans*männer und Trans*frauen sind Männer bzw. Frauen wie alle anderen auch und möchten genau so behandelt werden. Wer gerade erst von seiner eigenen trans* Identität erfahren hat, ist dagegen vielleicht noch nicht überall geoutet und bittet dich, in gewissen Kontexten vorerst weiterhin ein anderes Pronomen und andere Begriffe zu verwenden.
    Wer über seine*ihre Trans*geschichte sprechen möchte, entscheidet selbst, wann, wie und wo das geschieht.
  10. Stelle Trans*personen keine super persönlichen und intimen Fragen, wie beispielsweise, welche Operationen sie schon hatten, wenn sie dir das nicht angeboten haben. Vor allem Menschen, die du noch nicht gut kennst, ist das selbstverständlich unangenehm – oder möchtest du gern von Fremden gefragt werden, wie deine Genitalien aussehen?
Wann es okay ist, eine Trans*Person zu misgendern (also z. B. falsche Pronomen zu benutzen): wenn die Person dich darum gebeten hat, weil Leute da sind, vor denen sie nicht geoutet ist.
Wann es nicht okay ist, eine Trans*Person zu misgendern: Zu buchstäblich jedem anderen Zeitpunkt.

Wenn du weiter Ideen hast, was wir im Alltag tun können, um Trans*personen sichtbarer zu machen und zu unterstützen, kommentiere sie gern hier oder auf Instagram oder schick uns eine Mail an vielfalt@j-gcl.org.
Wenn dir irgendetwas auffällt, was in diesem Beitrag unglücklich, missverständlich oder trans*feindlich formuliert ist, bitte melde dich bei uns!
Wenn du weitere Fragen zum Thema Trans*sein hast, schreib uns gerne! Und solange:

Viel Spaß beim Feiern der Trans* Awareness Week!

Guck doch mal, welche Veranstaltungen es online und in deinem Heimatort gibt und nutze die Angebote, um dich weiterzubilden und Trans*menschen sichtbarer zu machen und zu feiern!

geschrieben von Rewe

Von vielfaltundliebe

Wir sind ein demokratisch gewähltes Team aus Mitgliedern der Jugendverbände der Gemeinschaft Christlichen Lebens (J-GCL), die hier und auf unserem Instagram-Account @vielfalt.liebe Mitglieder und andere Interessierte zu Themen rund um Vielfalt und Liebe informieren.
Informationen zu unseren Verbänden findest du unter www.j-gcl.org.

Wir werden immer für 1 Jahr gewählt.
ViLi 2020: Nathalia, Catha, Vicky und Lukas
ViLi 2021: Becky, Rewe, Priya, Zoe
ViLi 2022: France, Lina, Rewe, Veronika, Zoe

8 Antworten auf „Trans* sein“

Tatsächlich ein interessanter Artikel, weil er die Begrifflichkeiten auf einer Seite zusammenstellt. Fast enzyklopädisch. Und mit Handlungsanweisungen. Auch der Stil gefällt mir.
Dass der frühere Name ein „deadname“ ist, war mir nicht bewusst. Auch die, ich nenne es mal Sprachregelung zum „früheren Geschlecht“ ist interessant. Tatsächlich bekomme ich beim Berichten immer einen Knoten im Gehirn, wie ich über Menschen sprechen soll, über die ich vorher anders gesprochen habe, d.h. mit anderem Namen oder anderem Geschlecht.

Naja, das gilt natürlich immer nicht für alle, einige wenige mögen kein Problem damit haben. Aber der vorherige Name ist für die meisten eine schmerzliche Erinnerung an unverstanden sein, sich „falsch“ fühlen, usw. und kann von anderen benutzt werden, um die Identität der Person zu invalidieren (also für ungültig zu erklären). Ich würde dich bitten, davon abzusehen, „früheres Geschlecht“ zu sagen. Das Geschlecht einer Trans*Person war schon immer so (abgesehen von einigen wenigen, die davon sprechen, dass es sich verändert hat), es war nur entweder der Person selbst nicht bewusst oder sie konnte es nicht ausdrücken, vor allem aber war es den anderen Menschen nicht bewusst, da unsere Gesellschaft eben Geschlecht bei der Geburt anhand von Genitalien zuordnet. Tatsächlich, da sind sich sogar Rechtssprechung und Psychologie einig, ist Geschlecht aber etwas, das im Gehirn stattfindet. Die Transition, welche Schritte auch immer sie im Einzelfall beinhalten mag, ist der Weg, die äußerlich sichtbare Identität der inneren anzunähern und da unsere Gesellschaft eben leider immer noch ziemlich starre und absurde Rollenbilder und Stereotype hat, mag es von außen so wirken, als würde sich das Geschlecht ändern. Das ist aber nicht der Fall, das Äußere und die Formalitäten (Pass, Personenstand, etc.) passen sich nur an. Ich werde in Zukunft noch ein paar weitere Beiträge dazu schreiben, nächste Woche kommt einer zum Thema Outing, außerdem plane ich einen mit Begriffserklärungen vielleicht wird es dann noch etwas klarer.
Im Englischen wird von „gender assigned at birth“, also dem bei Geburt zugeordneten Geschlecht, gesprochen und da gibt es sogar Abkürzungen dafür (afab für assigned female at birth, also bei der Geburt weiblich* zugeordnet und amab für assigned male at birth, also bei Geburt männlich zugeorndet. Nach den Verboten von Verstümmelung an inter* Babys wird es wohl in ein paar Jahren auch aiab geben). Im Deutschen sind wir mit der diskriminierungsarmen Sprache ja immer etwas langsamer (siehe PoC), ich bin gespannt, wie sich das entwickelt, solange kann mensch auch das Englische nutzen, wenn es „kurz“ sein soll. Wenn du konkretere Fragen hast, schreib gern noch Kommentare oder eine Mail an vielfalt@j-gcl.org.

Bist du Journalist*in oder so was, wenn du berichtest über Trans*Menschen?
geschrieben von Rewe

„Berichten“ war im Sinne von „erzählen“ gemeint. Nur eben kein richtiges Erzählen. Also im Sinne von „reden über“.
Was Du schreibst hat auch mit der Benurtung des Wortes „gelesen als“ zu tun, oder? Das habe ich lange nicht verstanden. Das bedeutet, dass jemand als eine bestimmte Person wahrgenommen wird, z.B. männlich. Skizze Wahrnehmung von außen sagt aber nichts über das aus, wie die Person dich selbst wahrnimmt, oder?

ah ach so, verstehe 🙂 ja genau, „gelesen“ bedeutet, wie andere die Person wahrnehmen. z. B. denken wir bei Bart, eine Person sei männlich, obwohl das nicht so sein muss. Dinge wie Religion, Rassifizierung, etc. sind genauso von diesem „gelesen werden“ betroffen wie Gender und es wird das Wort „Passing“ verwendet, wenn du als etwas gelesen wirst, also z. B. „weißes Passing“, wenn Menschen dich anschauen und für weiß halten, obwohl du z. B. Schwarze Eltern hast, neurotypisches Passing, wenn dein Autismus anderen nicht auffällt, männliches Passing, wenn die Menschen dich eben für einen Mann* halten – ob du das willst, weil du ein Trans*Mann bist, oder ob du es ganz schlimm findest. Aber nicht nur die Selbstwahrnehmung, auch die z. B. körperlich angeborenen Merkmale müssen dem Passing/ wie ein Mensch gelesen wird, nicht entsprechen. Ganz klassisches Beispiel sind die kleinen Jungs*, die voller Faszination ihre Eltern bitten, ihnen auch mal die Nägel zu lackieren und dann deswegen für Mädchen* gehalten – also als Mädchen gelesen – werden. Mehr dazu findest du sicherlich auch im neuesten Post zum Thema Outing!

Wenn ich Mails schreibe oder so, schreibe ich „hallo Vorname Nachname“ oder „lieb*/ liebe_r Vorname Nachname“ oder „liebe Mitarbeiter*innen/ liebes Team“, um Trans*Personen sichtbarer zu machen und die Tatsache, dass ich das gender einer Person nicht am Namen festmachen kann.

Schreibe einen Kommentar zu Geistmann Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert