Im Februar ist Black History Month in den USA und auch in Deutschland. In einigen anderen Landern ist er in anderen Monaten, in Großbritannien z. B. im September. Viele Initiativen und Organisationen, die sich gegen Rassismus engagieren, sowie Selbstvertretungen Schwarzer Menschen haben dazu Veranstaltungen. Hast du schon eine besucht? Hier kommen ein paar Informationen, sowie ein Gruppenstundenvorschlag zum Black History Month!
Black History Month bedeutet „Monat der Schwarzen Geschichte“.
In der Geschichtsschreibung und im Geschichtsunterricht in der Schule geht es meistens um die Geschichte weißer Männer, denn die sind meistens die, die die meiste Macht auf der Welt haben und hatten. Frauen, andere Geschlechter, Kinder und Menschen mit asiatischen oder afrikanischen Vorfahren kommen in den Büchern meistens nicht vor, obwohl auch sie wichtige Dinge geleistet und erfunden haben. Oft hören wir ihre Geschichte nur, wenn es um Unterdrückung und Ausgrenzung geht und sie wird aus Sicht der weißen Männer erzählt.
Beim Black History Month geht es darum, die Geschichte Schwarzer Menschen im jeweiligen Land und weltweit zu feiern und die Stimmen Schwarzer Menschen zu hören!
Menschen mit asiatischen oder afrikanischen Vorfahren werden Menschen „of Color“ genannt und Menschen mit afrikanischen Vorfahren „Schwarze Menschen“ oder eben auf Englisch „Black People“. Sie leiden auch heutzutage noch sehr unter Rassismus, das ist die Ausgrenzung und Schlechter-Behandlung von Menschen, weil sie nicht weiß sind. Schwarze Menschen und Menschen of Color werden oft beleidigt und benachteiligt, bekommen z. B. Jobs oder Wohnungen nicht, wenn sich auch weiße Menschen bewerben. Wir haben auch unbewusste Vorurteile gegenüber Schwarzen Menschen, weil sie z. B. in Filmen und Serien oft nur in klischeehaften Rollen vorkommen. Ein weit verbreitetes Vorurteil ist beispielsweise, es gäbe keine Schwarzen Deutschen, Schwarze Menschen wären Ausländer*innen.
Der Black History Month in den USA wurde von dem Afroamerikanische Geschichtsforscher Carter G. Woodson 1876 ins Leben gerufen. Einen Monat lang wollte er mit Aktionen über die Geschichte von Afroamerikaner*innen informieren. Viele Vereine und Organisationen schlossen sich ihm an und auch in vielen anderen Ländern wird mittlerweile ein Black History Month gefeiert, um auf die Geschichte der Schwarzen Menschen in diesen Ländern aufmerksam zu machen. Auch hier in Deutschland.
Wenn ihr in den nächsten Tagen auf Instagram, TikTok, YouTube oder anderswo im Internet unterwegs seid, gebt doch mal „Black History Month“ ein und schaut euch an, was andere dazu machen!
Gruppenstundenvorschlag
Material: Stifte, Papier, internetfähige Geräte (Tablets, Handys, PCs o. Ä.,), im besten Fall auch ein Drucker
Zeit: ca. 1,5 h
Gruppengröße: 2 – 10 Personen
Vorbereitung: Blogbeitrag lesen
Ort: geht eigentlich überall, windgeschützt wäre gut
Selbstverständlich könnt ihr die Methode auch auf einer Konferenz, mit einer Schulklasse und auch zu anderen Zeiten im Jahr durchführen!
Lest den Teilnehmer*innen den Text oben vor. Sagt dann etwas wie „Wir mochten uns jetzt kurz mit der Geschichte Schwarzer Menschen in Deutschland beschäftigen.“
Was denkt ihr, wie lange leben schon Schwarze Menschen in Deutschland? Und wie viele sind es ungefähr? [Teilnehmer*innen schätzen lassen, in Austausch kommen]
Vorlesen/ Vortragen:
Schwarze Deutsche
In Deutschland leben über 1 Million Menschen afrikanischer Herkunft. Viele von ihnen leben schon viele hundert Jahre hier.
Im Mittelalter gab es die Kreuzzüge und Missionare, die aus Europa in andere Länder reisten, um – manchmal friedlich, oft aber leider mit Gewalt – das Christentum als Religion zu verbreiten. Das war so ab dem Jahr 1095 nach Christus, also vor 1000 Jahren. Und wie das so ist, wenn Menschen ins Ausland gehen und dort arbeiten oder Dinge tun, manchmal verlieben sie sich dann in Menschen aus dem Land, in das sie gehen. Und manchmal kommt der Partner oder die Partnerin dann mit die Heimat, wenn der Mensch zurück geht – vielleicht war das auch bei einigen eurer Eltern so? In dieser Zeit jedenfalls wanderten die ersten Afrikaner*innen nach Deutschland ein. Und ihre Kinder wurden die ersten Schwarzen Deutschen.
Im 15. – 19. Jahrhundert wurden viele Afrikaner*innen versklavt und als Sklav*innen in andere Länder verschleppt. Viele deutsche Fürsten besaßen Schwarze als Sklav*innen damals. Einige von ihnen konnten irgendwann fliehen, sich freikaufen oder bekamen die Freiheit geschenkt, z. B. weil sie ihren Herren das Leben retteten. Und die lebten dann auch weiter in Deutschland. Und natürlich gab es auch afrikanische Kaufleute, die gute Geschäfte mit weißen Menschen in Europa machten und deswegen auch mal nach Europa reisten oder ihre Kinder hier her schickten. So zum Beispiel Anton Wilhelm Amo, der in Ghana geboren wurde und 1707 zuerst nach Amsterdam kam, um bei seinen Tanten eine bessere Schulbildung zu bekommen. 1729 begann er in Halle Philosophie und Recht zu studieren und wurde später ein berühmter deutscher Philosoph und Lehrer an den Universitäten Wittenberg, Halle und Jena.
Ab 1884 hatte Deutschland, wie viele andere Länder auch, Kolonien, also besetzte und eroberte Gebiete in Afrika. Deutsche Kolonien waren z. B. das heutige Kamerun, Namibia, Tansania, Ruanda, Burundi und Mosambik. Die Menschen, die dort lebten, wurden gezwungen, Deutsch zu lernen, in den Schulen wurde auf Deutsch unterrichtet und sie waren damals deutsche Staatsbürger*innen. Viele von ihnen kamen nach Deutschland, um hier zu studieren oder zu arbeiten. Vor allem in der deutschen Armee kämpften viele Schwarze Menschen im 1. Weltkrieg für Deutschland.
Als Deutschland den 1. Weltkrieg verlor, wurden Teile des Landes von den Franzosen besetzt. Auch die hatten viele Kolonien und deswegen Schwarze Menschen in ihrer Armee. Viele von denen wurden in Deutschland stationiert und verliebten sich in deutsche Frauen, mit denen sie Kinder bekamen. Diese wurden oft abfällig „Rheinlandbastarde“ genannt und schlecht behandelt.
1933 kamen dann die Nazis an die Macht und nahmen den Schwarzen Menschen ihre Pässe weg, egal, wie lange die schon hier lebten. Sie sagten, dass sie keine Deutschen sein könnten, weil Deutsche weiß sind. Und leider glauben das seitdem immer noch viele. Viele von ihnen wurden von den Nazis umgebracht oder mussten fliehen.
Nachdem die Amerikaner, Franzosen, Russen und Engländer gemeinsam die Nazis besiegt hatten, wurde Deutschland wieder besetzt. Und viele der Soldaten aus diesen Ländern verliebten sich in Deutsche und gründeten mit ihnen Familien. Auch viele Afroamerikaner*innen waren dabei und ihre Kinder wurden auch Schwarze Deutsche.
In den letzten Jahren sind natürlich auch Menschen aus vielen afrikanischen Ländern nach Deutschland eingewandert und teilweise auch vor Krieg oder Armut geflohen. Wenn sie hier Familien gründen, sind auch ihre Kinder Schwarze Deutsche. Selbstverständlich gehören auch Schwarze Menschen anderer Staatsangehörigkeiten, die hier leben, zu Deutschland und leisten wertvolle Beiträge zu unserer Gesellschaft.
Im Jahr 1986 schrieben 3 Schwarze Deutsche, May Ayim, Katharina Oguntoye und Dagmar Schultz das Buch „Farbe bekennen“, in dem sie über die Schicksale Schwarzer Deutscher und den Rassismus, den sie erleben, berichteten. Sie nannten sich „Afrodeutsche“, in Anlehnung an die Bezeichnung „Afroamerikaner*innen“ der Schwarzen Menschen in den USA. Man kann also „afrodeutsch“ oder „Schwarz“ sagen – bitte nicht das N-Wort oder das M-Wort verwenden, das ist für die meisten Schwarzen Menschen sehr verletzend.
Heute wollen wir ein Zeichen gegen Rassismus setzen und deswegen dürft ihr jetzt alle eine Schwarze Person suchen, die ihr toll findet oder die ein Vorbild für euch ist. Anschließend dürft ihr ein bisschen was zu der Person erzählen, z. B. woher sie kommt, was sie so macht und vor allem, warum ihr sie ausgesucht habt, was ihr toll an ihr findet und was wir von ihr lernen können.
[Wenn ihr Zugang zu einem Drucker habt, können die Teilnehmer*innen euch ein Foto der Person schicken und ihr könnt es ausdrucken. Ihr könnt das je nach Kontext natürlich auch als Aufgabe bis zum nächsten Treffen geben].
Je nach Alter der Teilnehmer*innen müsst ihr eventuell mehr oder weniger beim Suchen unterstützen. Ihr könnt ihr auch Personen aus Büchern (z. B. aus der Good-Night-Storys for Rebel Girls-Reihe) aussuchen lassen. Wenn ihr Lust habt, könnt ihr die Personen auch zeichnen oder bunte Plakate erstellen und/ oder euch kurze Videos von ihnen zeigen. Am besten ist es, wenn ihr die dann ein paar Tage oder Wochen in eurem Gruppenraum hängen lassen könnt.
Als Leitungen solltet auch ihr euch beteiligen und eine Person vorstellen. Da Kinder und Jugendliche vermutlich v. a. Sportler*innen, Musik- und Filmstars, sowie Internet-Stars finden und vorstellen werden, aber das Rollen sind, auf die Schwarze Menschen oft reduziert werden, wäre es gut, wenn ihr z. B. Politiker*innen, Journalist*innen oder Wissenschaftler*innen wählt. Toll wäre es außerdem, wenn diese in Deutschland leben. Außerdem solltet ihr Personen nicht nur wegen ihres Engagements gegen Rassismus auswählen und bei eurer Vorstellung andere Aktivitäten und Fähigkeiten in den Vordergrund stellen. Es können auch Menschen aus eurem persönlichen Umfeld sein: Ein Schwarzer Lehrer, eure Großmutter, ein guter Freund, die Leiterin der Fridays for Future Ortsgruppe, eine Stadt- oder Gemeinderätin, ein Pfarrer oder Kaplan….
Ideen für Vorstellungen: Fadumo Korn, Aminata Touré, Aurel Mertz, Charles M. Huber, Karamba Diaby, Bärbel Kampmann, Dagmar Schultz, Theodor Michael, Annette Mbombi, Alice Haster


Weiterführende Ideen:
- Organisationen Schwarzer Menschen (z. B. Each One Teach One, Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland ISD, Afrokids, etc.) vorstellen
- Afrozensus vorstellen (https://afrozensus.de/reports/2020/)
- https://rosa-mag.de/rosapedia-was-ist-afrodeutsch/
- https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/geschichte-im-ersten/sendung/schwarz-und-deutsch-100.html
Habt ihr noch mehr Ideen, wie mit Kindern und Jugendlichen der Black History Month gefeiert werden kann? Habt ihr an Veranstaltungen teilgenommen oder selbst welche veranstaltet? Was bedeutet der Black History Month für euch? Wer sind eure Schwarzen Vorbilder und Idole oder Menschen, die ihr bewundert? Habt ihr den Gruppenstunden-Vorschlag umgesetzt und Feedback? Schreibt es uns hier oder auf Instagram in die Kommentare oder per DM oder Mail an vielfalt@j-gcl.org!
geschrieben von Rewe
