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IDAHOBIT? Braucht es doch gar nicht mehr?!

Heute ist der IDAHOBIT, kurz für International Day Against Homophobia, Biphobia, Interphobia and Transphobia, also internationaler Tag gegen Homo-, Bi- Inter*- und Trans*feindlichkeit. Mittlerweile gibt es auch schon viele, die ihn IDAHOBITA nennen und damit auch Feindlichkeit gegen Asexuelle mit einbeziehen. Immer wieder hören Angehörige der LGBTQIA* Community, es gäbe doch keine Diskriminierung mehr gegen sie und es bräuchte keine „Pride“- also „Stolz“-Bewegung und keine Gedenktage mehr, doch das ist nicht der Fall. Immer wieder erleben wir, wie unsere Identitäten lächerlich gemacht werden, uns „nicht geglaubt“ wird oder wir angegriffen und beleidigt werden. Wir haben ein paar kurze, „relativ harmlose“ Geschichten gesammelt, die uns oder uns nahestehenden Menschen tatsächlich so passiert sind, um das zu demonstrieren. Mit „harmlos“ meine ich, dass niemand danach in ärztliche Behandlung musste oder starb – auch das passiert noch regelmäßig, auch hier in Deutschland. Also passt beim Lesen gut auf Euch auf, denn das könnte euch triggern, also unangenehme Erinnerungen an eigene Erfahrungen dieser Art wecken. Wenn Ihr mögt, teilt gerne Eure Geschichten von Alltagsdiskriminierung in den Kommentaren oder auf Instagram oder schickt sie uns, wenn wir sie veröffentlichen dürfen, um anderen Menschen zu zeigen, wie notwendig ein IDAHOBITA auch 2022 noch ist. Und geht auf die Straße heute Abend, um allen, die uns beschimpfen, zu zeigen:

Wir sind stolz, wir sind viele, wir sind stark!

Geschichten von Diskriminierung im Alltag

„Meine Freundin und ich lagen letzten Sommer im FKK Bereich im Park einer deutschen Großstadt, als ein alter weißer Mann mit Bierbauch vorbeikam und uns angeglotzt hat. Er hat sich in die Nähe hingesetzt und uns irgendwann angelabert:
👴🏻 na ihr hübschen, seid ihr zusammen?
Ich ignoriere ihn, kein Bock darauf.
👴🏻 hallo, Schönheit, hörst du mich?

🧑🏼 Ja
👴🏻 Und, seid ihr zusammen?
🧑🏼 Das braucht dich nicht zu kümmern 😊
👴🏻 Aha…

Dann war erst mal Ruhe, wir haben Picknick gemacht, irgendwann bin ich zu unseren Rädern gegangen und er:
👴🏻 Bist jetzt sauer, weil ich gefragt hab?
🧑🏼 Nein

👴🏻 Warum antwortest du dann nicht? Ist das jetzt ne schlimme Frage auf einmal?
🧑🏼 Ich hab doch geantwortet
👴🏻 Deine Freundin ist viel cooler als du. Und hübscher.
🧑🏼 Ok danke
👴🏻 Viel schönere [Aufzählung von Körperteilen]
🧑🏼 Solange ich schöner bin als du, reicht’s mir
👴🏻 Hässlich bist du! Ne hässliche alte Bumsmatratze, das bist du! Frauen heutzutage! Nix darf man mehr sagen! Ihr könnt nicht Mal lachen, ihr habt euren Humor verloren!
🧑🏼 Sag Mal spinnst du?!
👴🏻 Ich hab ganz freundlich gefragt, aber ihr Weiber, ihr denkt ihr seid was! Nix seid ihr, nix wert!“

(Lesbisches Paar, Mitte 20)

„Ich hab mich irgendwie nie so richtig als Frau gefühlt und hatte auch sogenannte Probleme, aka ich hab meine Tage eigentlich nur so 3x im Jahr bekommen. Irgendwann hab ich dann so in der queeren Community von Intergeschlechtlichkeit gehört und dachte, ich informier mich da mal. Hat irgendwie einiges gepasst, so. Also hab ich mal geguckt, zu welchen Ärzt*innen mensch da gehen müsste und mich bei ner Beratungsstelle beraten lassen. Und dann nen Termin bei ner Endokrinologin gemacht und die hat dann tatsächlich auch „was gefunden“. Sie sagte nur, die Diagnose direkt, die müsste meine Frauenärztin stellen. Also bin ich da hin, mit meinem Brief von der Endokrinologin in der Hand und hab gesagt, dass ich bitte die Diagnose möchte, weil ich dann eine Personenstandsänderung bekomme. Sie war sonst immer echt nett und dann auf einmal total unfreundlich, meinte: „Ähm… ich hab total viele Patientinnen mit diesem Störungsbild, die sind deswegen aber nicht keine Frauen mehr!“ Ich hab dann geantwortet: „Ja, klar, ob wer ne Frau ist oder nicht, hat ja nichts damit zu tun, weil Gender ist kein körperliches Problem. Ich spreche ja niemand anderem ihr Frau-Sein ab, aber ich hab mich noch nie als Frau gefühlt und ich hätte jetzt gerne die Diagnose, weil dann steht mir eine Personenstandsänderung zu und ich erfülle ja die Kriterien.“ Und sie meinte: „Also bloß weil man da irgendwas im Pass ändern will, stelle ich keine Diagnose! Ich kann Ihnen gern was verschreiben, was helfen kann, dass Ihre Periode regelmäßig kommt, auch so wegen Kinderwunsch und so…“ Ich erklärte ihr, dass ich kein Problem mit meinem Körper und der „fehlenden“ Periode hab, aber gerne das Label hätte, das mir medizinisch zusteht und sie faselte wieder nur was von „Pille verschreiben“ und „Sie sind trotzdem eine Frau, was soll denn das?“ Ich bin dann einfach nur wütend gegangen und hab mich lange nicht getraut, das noch mal anzusprechen.“
(Inter*person, Anfang 20).

„Ich arbeite im Sozialen Bereich und bin trans*. Ich kann mich aber in der Arbeit nicht outen, bzw. ich traue mich nicht, weil ich erlebt habe, wie meine Kolleg*innen Witze über trans* Personen machen und auch wenn Kinder irgendwie spielen, dass sie ein anderes Geschlecht haben, sagen sie immer gleich so unter sich „uuuuh guck, der/ die is bestimmt jetzt trans*“ und lachen. Bald habe ich meine Personenstandsänderung. Dann werde ich meinen Job kündigen und mir einen suchen, in dem ich ich selbst sein kann, aber das ist halt nicht so einfach, wenn man Miete bezahlen muss und nicht so viel verdient. Und das, obwohl ich in einer richtigen Metropole lebe. Ich hoffe nur, wir haben nie tatsächlich ein trans* Kind in unserer Einrichtung. „
(trans* Person, Anfang 20)

geschrieben von Rewe

Von vielfaltundliebe

Wir sind ein demokratisch gewähltes Team aus Mitgliedern der Jugendverbände der Gemeinschaft Christlichen Lebens (J-GCL), die hier und auf unserem Instagram-Account @vielfalt.liebe Mitglieder und andere Interessierte zu Themen rund um Vielfalt und Liebe informieren.
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