Dieses Wort fällt im Alltag bestimmt mindestens so häufig wie „Redeliste“ oder „Antrag auf offene Wahl á block“ in unseren Konferenzen. Häufig sagen wir es leichtfertig, um auf Ungerechtigkeiten hinzuweisen. Doch wer hat schon eine ganz klare Formulierung im Kopf, was das bedeutet? Wo hört Unaufmerksamkeit auf und wo beginnt Homophobie? Was lassen wir eigentlich im Gespräch noch durchgehen und worauf machen wir unseren Gegenüber aufmerksam? Diese Grenze ist bei jedem Menschen wohl woanders.
Nehmen wir uns 1–2 Minuten oder auch ein wenig mehr Zeit (jede*r wie sie*er will), um zu überlegen, was Homophobie im Kern bedeutet. Ist es, dass in vielen Ländern die Ehe für alle nicht zugelassen ist, oder reicht es, dass das Wort „Homophobie“ anscheinend nicht zum Wortschatz eines Apple–Gerätes gehört, da mein iPad es mir dauernd rot unterkringelt. Andererseits kennt es „unterkringeln“ anscheinend auch nicht. Um beim Thema zu bleiben: Ich möchte dazu anregen einen kurzen Moment darüber nachzudenken, was man unter Homophobie versteht.
Das Wort zerlegt, besteht zum einen aus „homo“, was in diesem Falle nicht vom Lateinischen „homo, hominis“ dt. Mensch abstammt, sondern auf das griechische Wort „homos“, dt. gleich zurückzuführen ist. Auf eine weiterführende Erklärung kann ich guten Gewissens verzichten.
Das Wort „Phobie“ stammt ebenfalls von einem griechischen Wort „phóbos“ ab und bedeutet Angst, Furcht. Der Duden definiert Phobie als extreme Furcht vor bestimmten Objekten oder Situationen. Strenggenommen beschreibt Homophobie also die extreme Furcht vor gleichgeschlechtlich Liebenden und allem, was damit zu tun hat. Zunächst erscheint das einem ziemlich unpassend, mir erging es zumindest im ersten Moment so. Homophobie wird viel eher mit Sexismus und Rassismus in einen Sack geworfen, als mit Platzangst oder Klaustrophobie.
Allerdings könnte dieser Ansatz vielleicht gar nicht so verkehrt sein. Kommen wir auf das zurück, was wir uns vorhin als Definition für Homophobie überlegt haben. Graben wir nun etwas tiefer. Woher kommt dieses Verhalten oder diese Einstellung in einigen Menschen und/oder Bereichen? Woher kommt in einigen Fällen sogar Hass auf homosexuelle Menschen, breiter gefasst auf die ganze LGBTQ+ community?
Ich wage zu behaupten, dass Angst und Unsicherheit eine große Rolle in der Begründung dafür übernehmen. Nehmen wir die häufigsten Argumente, die in der Diskussion gegen Rechte für LGBTQ+ genannt werden.
Das traditionelle Familienmodell werde gefährdet, wenn nicht nur heterosexuelle Paare adoptieren dürfen. Menschen, die nicht heterosexuell und/oder cisgeschlechtlich sind, werden es auch niemals sein und das traditionelle Familienmodell nicht annehmen können, ob es nun das einzige legale ist, oder nicht. Außerdem ist das Ziel nicht, das Familienmodell zu zerstören und abzuschaffen, sondern ein oder besser gesagt viele andere zu integrieren. In was sieht sich das alte Familienbild jetzt noch gefährdet? Ich nehme es gerne an die Hand und zeige, dass es keine Angst haben muss. Niemand möchte ihm etwas Böses.
Sobald über Sexualität, Geschlechterrollen oder Geschlechtsidentität gesprochen werden soll, werde die Gesellschaft vor allem junger Menschen „sexualisiert“ und mit allen Mitteln zur Entscheidung gezwungen. Dabei schwirren in den Köpfen aller Menschen diese Themen, bei einigen mehr und bei einigen weniger, manche denken so, mache so. Nur darüber zu sprechen scheint ein riesengroßes Tabu zu sein. Wie viel Leid und Unzufriedenheit wir doch ersparen könnten, wenn wir Themen rund um Sex(uelle Identität), Geschlecht, Selbstbestimmung usw. zulassen würden. Diese Auflistung zeigt, wie groß dieses Spektrum ist und, dass es auf keinem Fall in einen Topf geworfen werden darf.
Überhaupt scheinen mir dies irrationale Argumente zu sein. Sowie die Angst auch irrational ist. Und meiner Meinung nach kommt auch daher diese Abwehrhaltung. Aus Angst. Vor Überfremdung und Veränderung. So sehr ich gegen diese Einstellung ankämpfe, ich bringe für die Quelle dieser auch Verständnis auf. Denn, es hat sich viel in den letzten Jahren verändert, doch ist der Kampf um die Rechte der LGBTQ+community im Anbetracht der Zeit eine recht neue Bewegung. Und Neues wurde von der Gesellschaft schon immer zuerst niedergemacht und abgestoßen. Jeder Mensch hat in den verschiedensten Bereichen Angst vor dem Ungewissen. Und nicht umsonst wird das traditionelle Familienbild „traditionell“ genannt: Man könnte behaupten, es hat schon immer in einer Familie so ausgesehen. Warum also verändern?
Menschen leben seit Jahren in Mutter–Vater–Kind(er)–Konstellationen und es funktioniert doch einwandfrei, oder?
Naja…
So ganz wiederum auch nicht. In Anbetracht der vielen Streitereien und Trennungen. Missbrauchsfälle gibt es auch unzählige.
Keineswegs möchte ich behaupten, daran sei die Konstellation schuld, das wäre zu viel und obendrein noch falsch.
Allerdings können wir nicht behaupten, etwas Perfektes als Vorbild in unserer Gesellschaft zu haben. Es hat schon immer funktioniert, kann man schlecht meinen. Aber es war schon immer so und das zu wandeln fällt dem einen schwerer, der anderen leichter. Aber wozu das Ganze?
Warum etwas verändern?
Um auf meine eigene beim ersten Mal noch rhetorische Frage zu antworten (weil, ich hab ja immer was zu sagen): Um es nicht nur denen recht zu machen, die zufrieden mit Ihrer Heterosexualität und ihrem cisGeschlecht sind. Schließlich geht es mir und meinen Mitmenschen, sofern ich sie richtig verstanden habe nicht darum, alle Traditionen in Trümmern zu sehen, Mädchen lesbisch und Jungs schwul zu machen, was nebenbei auch gar nicht möglich wäre, Kinder dazu zu bringen ihr Geschlecht 10 mal am Tag zu hinterfragen und sich nach der Sexualität zu definieren, denn genau das Gegenteil ist der Fall. Ziel ist es, Offenheit und Akzeptanz an die Tagesordnung zu setzen und für alle Menschen das Bestmögliche, was diese Welt bietet, herauszuholen und dabei mit allen im Frieden zu leben.
geschrieben von N.
