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Familienbilder und Regenbogenfamilien

Was ist Familie?

Diese Frage haben wir uns als Kommission ViLi in den vergangenen Monaten gestellt. Auf den ersten Blick wirkt sie recht einfach, fast banal, denkt man jedoch länger darüber nach, muss man feststellen, dass es keine einfache Antwort auf die Frage gibt. Vielen kommt bei dem Gedanken „Familie“ zuerst das klassische Bild einer Kernfamilie aus Mutter*, Vater* und einem oder mehreren Kindern in den Kopf. Kein Wunder, denn ein Großteil der Familien besteht tatsächlich aus Vater*, Mutter* und Kindern. Doch das sind bei weitem nicht alle. Die Formen der Familien sind heute vielfältiger denn je und das Bild der „bürgerlichen Kernfamilie“ ist schon lange überholt.

Familienformen

Neben dem klassischen Bild von Eltern mit Kind gibt es zahlreiche weitere Familienformen. Zu ihnen gehören unter anderem Familien mit alleinerziehenden Elternteilen, Patchwork-Familien, Familien mit zwei Vätern* oder Müttern*, Familien bestehend aus einem Elternteil plus dessen neue*n Partner*in, nicht verheiratete Eltern mit ihrem Kind und viele mehr. Familien, in denen mindestens ein Elternteil homo-, bi- , trans- , intersexuell oder queer ist, werden in Deutschland als Regenbogenfamilien bezeichnet. Auch Familien, in denen sich zum Beispiel der Vater* als transgeschlechtlich outet oder sich die Mutter* in eine andere Frau verliebt, sind Regenbogenfamilien.

Regenbogenfamilien – Familiengründung

Schwieriger ist es in Deutschland für gleichgeschlechtliche Paare, eine Familie zu gründen. Sogenannte Mütter*familien erfüllen sich ihren Kinderwunsch häufig mit einer Samenspende. Sogenannte Väter*familien hingegen nehmen in Deutschland meist Pflegekinder auf. Seit dem 1. Oktober 2017 gibt es die „Ehe für alle“. Sie erlaubt es zwei Personen unabhängig von ihrem Geschlecht, zu heiraten und spricht ihnen die gleichen Rechte wie heterosexuellen Ehepaaren zu. Seitdem ist es auch gleichgeschlechtlichen Paaren erlaubt, Kinder zu adoptieren. Zuvor war eine Adoption nur im Ausland möglich. Die meisten Adoptivkinder aus Deutschland lebten bereits zuvor als Pflegekind bei der Väter*- oder Mütter*familie. Eine Alternative zu Samenbanken und Adoption ist eine Mehrelternkonstellation. Bei dieser schließen sich Menschen mit einem Paar mit Kinderwunsch zusammen, ohne zu diesem Paar in einem Liebesverhältnis zu stehen. Auch sie gehören zu den Regenbogenfamilien. Anders als beispielsweise in den USA sind Leihmutter*schaften in Deutschland nicht erlaubt. Bei einer Leihmutter*schaft erklärt sich eine Frau* bereit, ein Kind gegen Bezahlung für zwei Väter* bzw. eine Väter*familie (oder auch für ein heterosexuelles Paar) auszutagen. Doch große gesetzliche Hürden machen eine Leihmutter*schaft im Ausland nahezu unmöglich. Auch nach der Erfüllung des Kinderwunsches haben es Regenbogenfamilien oft nicht leicht. Das Zurechtfinden und Absichern der Kinder in einem Dschungel aus Rechten, Gesetzen, Anordnungen und Grauzonen stellt eine große Hürde für viele Paare dar. (Weitere Informationen zu den rechtlichen Rahmenbedingungen von Regenbogenfamilien findest du auf Regenbogenportal.de)

Gesellschaftliche Anerkennung?!

Obwohl sich 83 % der 2017 befragten Deutschen deutlich für die Ehe für Alle aussprachen, wäre es 40 % unangenehm gewesen, ein schwules oder lesbisches Kind zu haben. Ähnlich ist die aktuelle gesellschaftliche Situation. Viele sprechen sich für Familienvielfalt aus, für einige wenige ist es bereits Normalität, doch wirklich umgesetzt wird nur wenig. Schon bei ganz banalen Dingen wie Familienvergünstigungen in Museen, Freizeitparks und Schwimmbädern gibt es die ersten Probleme. Oft beziehen sich die Angebote nur auf klassische Familien mit Eltern und Kindern. Doch es zeigen sich auch große Defizite im Bereich Bildung und Schule. Werte wie Offenheit und Toleranz gegenüber z. B. der LGBTQ+ Community werden nur selten vermittelt und die Schule, die eigentlich ein Ort der Sicherheit sein sollte, wird für Kinder aus Regenbogenfamilien oft zum Platz, an dem sie die meisten Diskriminierungen erfahren müssen. Immer wieder kommt es zu Konfrontationen mit Aussagen wie: „Braucht ein Kind nicht Mutter und Vater?“. Um hier einmal einem scheinbar hartnäckigen Vorurteil entgegenzuwirken: Aktuelle Forschungen zeigen, dass Kinder zuerst einmal ein guten Familienklima und gute Beziehungen zu den Eltern brauchen. Das Geschlecht dieser Personen spielt dabei keine Rolle. Viele Kinder suchen sich ihre Vorbilder ohnehin außerhalb der Familie. Und das zeigt auch unsere Umfrage. Wir von ViLi haben euch gefragt: „Was ist Familie für dich (in drei Worten)?“

Umfrage

Jeweils zwei Stimmen haben Essen, Sicherheit, Gespräche und Heimat erhalten. Nur einmal genannt wurden Fürsorge, Wärme, Schmerz, Vergeben, J-GCL und Rückzugsort.

Was können wir tun?

– Die unterschiedlichen Familienformen als selbstverständlich betrachten.

– Keine unangenehmen Nachfragen stellen, sondern akzeptieren, dass das Kind / dein*e Freund*in z. B. zwei Väter* oder Mütter* hat.

– Offenheit zeigen und sich für andere stark machen.

– In Dialog kommen: ganz ehrlich miteinander reden und Fragen stellen, aber auch signalisieren, wenn das Gespräch unangenehm oder zu persönlich wird.

Du möchtest noch mehr erfahren?

– Auf YouTube gibt es viele interessante Dokumentationen und Beiträge zum Thema Regenbogenfamilien.

– Die Internetseite Regenbogenportal.de informiert über rechtliche Grundlagen und gesellschaftliche Akzeptanz.

– Mehr Informationen zum Thema „Ehe für Alle“ gibt es auf bpb.de.

– Unser Instagram Account @vielfalt.liebe informiert dich regelmäßig über alles Mögliche zum Thema LGBTQ+.

Deine Kommission Vielfalt und Liebe 2020

Von vielfaltundliebe

Wir sind ein demokratisch gewähltes Team aus Mitgliedern der Jugendverbände der Gemeinschaft Christlichen Lebens (J-GCL), die hier und auf unserem Instagram-Account @vielfalt.liebe Mitglieder und andere Interessierte zu Themen rund um Vielfalt und Liebe informieren.
Informationen zu unseren Verbänden findest du unter www.j-gcl.org.

Wir werden immer für 1 Jahr gewählt.
ViLi 2020: Nathalia, Catha, Vicky und Lukas
ViLi 2021: Becky, Rewe, Priya, Zoe
ViLi 2022: France, Lina, Rewe, Veronika, Zoe

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